Wird Google verrückt?

Anders kann ich mir nicht vorstellen, wie dumm Google-Chef Eric Schmidt Lösungen für die Probleme entwickelt, die sein Dienst verursacht. Dem Wall Street Journal sagte er nun, er könne sich vorstellen, dass in der Zukunft mit der Volljährigkeit auch eine Möglichkeit der Namensänderung angeboten würde. Um seine Jugendsünden, die im Internet gespeichert seien, loszuwerden und keine Probleme bei Bewerbungen zu bekommen.

Bei allem Respekt, es ist ja toll, dass Google sich Lösungen für diese Art der Probleme überlegt, aber warum schiebt es die Umsetzung der Lösungen immer auf andere?
Für Street View müsse die Regierung entsprechende Gesetze entwerfen, die dafür sorgen, dass das Haus meiner Großeltern nicht in Street-View erscheint. Denn die wissen nicht einmal, dass es sowas gibt und was der Dienst macht. Wenn sie es irgendwann wissen, wird die Frist abgelaufen sein.
Und nun soll die Regierung ernsthaft dafür sorgen, dass Kids ihre Namen ändern können, damit ihre Altlasten bei Google nicht mehr auf sie deuten? Wie ignorant ist das, bitteschön?

Google ist verrückt geworden. Damit ist es nicht das erste Unternehmen, aber auch nicht das letzte, das deswegen untergehen könnte. Myspace hat gezeigt, wie ein großer Player im Social Web mit falschen Schritten sein eigenes Ende provoziert. So langsam wünschte ich Google würde das gleiche widerfahren. Und wenn facebook nicht aufpasst, können sie sich gleich anschließen.

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Street Slide: Häuserfassaden suchen

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Love Parade: Klassischer versus Citizen Journalism

Love parade 2010

Klassischer Journalismus

In diesen Tagen erleben wir ihn wieder einmal hautnah den schmalen Grad zwischen ethisch korrektem und Sensationsjournalismus. Die einen versuchen sich objektiv dem Thema zu widmen, thematisieren eher die Aufklärung und Ursachen des Unglücks, während die anderen ungeniert Bilder und Videos des Chaos nach der Massenpanik auf der Love Parade online stellen – einschließlich verletzter Menschen und herumliegender Leichen. Dies ist für uns eigentlich nichts Neues. Wir haben das gleiche Verhalten bei ähnlichen Unglücken auch schon erlebt. Die Frage der Ethik im Journalismus ist immer wieder ein scheinbar neues Thema, aus dem vorher nie einer gelernt hat.

Citizen Journalism

Genauso stelle ich mir aber momentan ebenso die Frage, was eigentlich schlimmer ist – der Sensationsjournalismus, oder der Citizen Journalism. Denn während einschlägige Boulevardmagazine zumindest die Gesichter unkenntlich machen, sind auf Youtube die gleichen Bilder unzensiert, in voller Länge, inklusive erkennbarer Gesichter zu sehen. Schreiende, sterbende, aphatische Menschen – Bilder, die wirklich niemand sehen will und die am wenigsten ein berechtigtes Interesse für die Öffentlichkeit darstellen. Nun mag die Tragödie auf der Love Parade zufällig die bisher vermutlich höchste Anzahl an videofähigen Mobiltelefonen auf einem geballten Raum gehabt haben. Dies führte natürlich zu einer entsprechend hohen Zahl von Live-Eindrücken, von der sicher auch nur ein Bruchteil auf Youtube gelandet ist. Dennoch haben die Ersteller der Videos prinzipiell auch eine ethische und journalistische Verantwortung, derer sie aber natürlich aus Unwissen oder Leichtsinn nicht nachkommen.

Wahrheit und Manipulation

Was uns aber aber in diesen Tagen auch wieder einmal klar wird ist, dass in Zeiten von Katastrophen und Chaos, die Verantwortlichen immer noch dazu neigen, die Tatsachen zu verdrehen, zu verharmlosen und Informationen gezielt zu manipulieren, um sich aus der Affaire zu ziehen. Es hätte kein Platzmangel geherrscht, das Gelände bot genügend Platz, die Opfer seien von der Treppe gestürzt und dabei verstorben. Da sind sie nicht anders, als die Opfer der Massenpanik selbst. Ohne Rücksicht auf Verluste steigen sie über die Toten, drücken die Tatsachen zu Boden, um sich über eine schmale Treppe aus dem Geschehen zu ziehen – und an dieser Stelle setzt das Paradoxe ein. Die Nummer zieht nicht mehr. Denn die Aufnahmen der zahlreichen Besucher vor Ort beweisen etwas anderes. Auf ihnen ist genau erkennbar, was passiert ist, wie eng es war und wie die Menschen hilflos in der Menge untergingen. Zu sehen ist auch, wie die Opfer versuchen die am Boden liegenden abzuschotten, sie zu schützen und aus der Gefahrenzone zu ziehen. Sicher sind Menschen, die sich an der Treppe oder den Plakaten festhielten abgestürzt, doch diese sind nicht gestorben. Augenzeugen berichten jedoch davon, dass diese Stürze die allgemeine Panik verstärkt haben.

Man kann uns nichts mehr vormachen – die Zeiten von Manipulation und Beeinflussung sind vorbei. Wikileaks, Youtube und Facebook ermöglichen dem Volk eine eigene Meinungsbildung. Dass diese Form der Verbreitung allerdings auch nicht frei von Fehlern ist zeigt die anfängliche Meldung auf Twitter, die Menschen seien durch einen Bombenanschlag auf der Love Parade gestorben. Allerdings korrigierte sich die Masse auch sehr schnell wieder selbst und die Meldungen gingen unter.

Konsequenzen

Auch wenn es eine fragwürdige Form des Journalismus ist – Citizen Journalism wird zunehmen und das fordert auch Expertisen und ein bewusster Umgang mit den neuen Massenmedien. Auch wenn ich keine Zensur fordern möchte, so finde ich eine allgemeine ethische Selbstkontrolle, oder unterstützende Kontrolle durch Experten durchaus sinnvoll und wichtig. Aus Respekt vor den Toten und ihren Angehörigen dürfen solche Szenen gar nicht auf Youtube landen. Der Gedanke, dass jemand aus meinem Umfeld dort hätte umkommen und anschließend von einem Millionenpublikum besichtigt werden können weckt schieres Grauen in mir.

Der wichtigste Anknüpfungspunkt aus meiner Sicht ist in dem Fall die Aufklärung. Medienkompetenz an Schulen lässt zu wünschen übrig und die Bildungspolitik lässt kein Geld für Experten zu, die Jugendlichen z.B. in Sonderseminaren über den Umgang mit Massenmedien aufklären könnten. Ich kann mir aber beispielsweise vorstellen, dass geübte Experten, mit genügend Erfahrung, ehrenamtlich eine solche Aufgabe übernehmen würden. Ich wäre beispielsweise sofort dabei.
Dieser Idee werde ich in der nächsten Zeit ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken und Gespräche mit euch suchen. Vielleicht können wir da was machen. Bei Interesse dürft ihr mich zu dem Thema auch gerne jederzeit ansprechen. Eine Fortführung der Gedanken folgt die Tage an dieser Stelle.

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Aktuelle Zahlen zum Internet

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Verbrecher 2.0

“Colt is the real life 21st century outlaw. The world is his playground.” ziert die Beschreibung seiner Facebook-Seite. “Should he turn himself in, or continue on? Post your feedback.”

Schade, denn nun ist einer meiner größten Helden gefasst – Der “Barefoot Bandit”. Colton Harris-Moore, 19 Jahre alt, 60 Diebstahl-Delikte. Nein er war kein niveauloser Krimineller, der kleine Kinder oder Omas abgezogen und dafür krankenhausreif geschlagen hat. Er war ein Dieb mit Stil. Mit GPS-Geräten, Laptops und Smartphones war er 2 Jahre lang auf der Flucht, klaute und hielt sich über Wasser, postete ab und an frech ein Lebenszeichen auf Facebook – ein Social Media Verbrecher, sozusagen. Da er häufig Barfuß unterwegs war machte er sich einen Namen als “Barefoot Bandid”. Selbstironisch hinterließ er fortan häufig umkreidete Fußabdrücke an den Tatorten, um es der Polizei zu erleichtern.

Eigentlich hat er niemanden wirklich weh getan – außer dem System, dessen Opfer er in seiner Kindheit selbst war. Natürlich muss er verdient für seine Taten zahlen und dafür mit der Haftstrafe büßen. Trotzdem: Als Unternehmer würd ich den Kerl jederzeit sofort einstellen.

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3d Graffiti – After

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Times verliert 90% ihrer Leser

Na, wer hat’s gesagt? Viele… und ich auch (siehe vorletzten Post). Die Times hatte Anfang des Monats ihr Online-Angebot auf ein komplett geschlossenes, kostenpflichtiges System umgestellt – und damit rund 90% ihrer Leser vergrault. Selbst der eine Pfund, den die Leser zahlen sollen, ist so viel, dass die Leser abspringen. Überraschend ist dies nicht, denn kaum ein Leser weiß, dass die Times ihre Website komplett umgestellt hat und dies ein Benefit sein könnte. Kostenlos testen kann man dieses neue Angebot nicht – nur ein Video anschauen. Dennoch scheinen die Menschen die Paywall nicht zu akzeptieren.

Es bleibt abzuwarten, wie Rupert Murdoch auf diese Entwicklung reagiert und wie lange sein Verlag beobachtet, ohne einzugreifen.

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UNFUCK the gulf

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Weiterlesen? 1£, bitte!

Rupert Murdoch hat es angekündigt und alle dachten, das könne nicht sein Ernst sein. War es, und so ist ab heute der Internetauftritt der britischen Times kostenpflichtig geworden – und die Sun wird folgen. Der Medienmogul startet damit ein beispielloses Exempel dafür, wie man es nicht machen sollte.

User schon nach dem ersten Klick gegen geschlossene Türen laufen zu lassen halte ich für viel zu früh. Auch wenn der Preis niedrig angesetzt ist, so ist der ledigliche Anreiz des Lesens eines Online-Artikels zu wenig, als das User dafür gerne zahlen würden. Verlage sollten sich eher darauf konzentrieren alternative und innovative Formate zu entwickeln, für die Nutzer gerne zahlen. Hier sind iPad und iPhone sicher ein guter Anknüpfungspunkt. Aber auch eine Print-Zeitung mit alternierendem Format könnte ein neues Erlösmodell beinhalten. Hier sind Verlage einfach noch nicht kreativ genug.

Darum auch der ziemlich einfallslose Schritt: Wir machen einfach die Türen zu und verlangen Eintritt. Einfach so. Das wird nicht funktionieren, Mr. Murdoch. Ruft mich gerne an, wenn ihr merkt, dass es nicht klappt.

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