Einführung:
Deutschland ist mittlerweile äußerst gut mit Plakatflächen eingedeckt. Die größten Player auf dem Markt sind die deutschen Anbieter Ströer und Wall sowie der britische Anbieter Decaux. Dabei kümmern sich die Anbieter nur um die Vermarktung der Fläche und halten sich aus der Gestaltung der Plakate weitgehend raus. Das übernehmen Design-Agenturen…. oder auch nicht… oder schlechte – man weiß es nicht.
Die folgenden Plakate sind kein Scherz – es sind alles aktuelle Plakate, die gerade irgendwo in Deutschland an Plakatflächen von Ströer hängen. Sie befinden sich nämlich alle in Ströers Online-Motiv-Datenbank.
Es sollte zudem beachtet werden, dass es sich um Großflächenplakate bzw. Mega-Lights handelt, also nicht die kleinen, die an Bushaltestellen hängen.

Beginnen wir mit diesem Plakat der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob vielleicht einfach nur ein Flyer auf Plakatgröße hochskaliert wurde, aber so sieht es aus. Zu kleiner Font, kein Mensch kann das aus weiterer Ferne lesen. Dazu viel zu viele Informationen. Sogar Adressen und Telefonnummern sind darauf untergebracht. Als ob sich ein Betrachter beim Vorbeigehen schnell die Nummer aufschreiben würde. Die Bilder sind zu klein und nicht erkennbar. Überhaupt ist das einzige erkennbare Merkmal der Hahn im Vordergrund.

Den Jahreswechsel werden die Betrachter dieses Plakates sicher nicht so schnell verpasst haben. Dennoch geht die Aussage des Plakates leider völlig an mir vorbei. Das Wort “stark” scheint hier von besonderer Wichtigkeit, doch worauf bezieht es sich? Starke Preise wohl eher nicht, denn “Stark ins neue Jahr” hat wohl eher was mit einem Gefühl zu tun. Dazu ist der Font völlig übertrieben, denn er sollte groß, aber nicht gigantisch unproportional sein. Die technischen Eigenschaften dagegen sind so minimal klein, dass sie niemand lesen kann. Auf einem Großplakat, das auch meist in einer gewissen Höhe hängt, leider völlig daneben.
Weitere Beispiele nach dem Klick!

Information Overload! Dieses Plakat ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es NICHT machen sollte! Ca. fünf verschiedene Schriftarten auf einer Fläche, dazu noch in verschiedenen Stilen. Mal fett, mal italic, mal Outlines. Kunterbunt und durcheinander. Von dem Motiv – der Kamera – ist fast nichts mehr zu sehen, da der riesige Preis und der Badge mit der Pixelangabe der Kamera fast schon die Hälfte verdeckt. Blaue, rote und grüne Schriftfarbe auf grauem Verlaufshintergrund. Das erinnert mich irgendwie alles an Microsoft Word. Hat der Herr Dröge wohl selbst flott gemacht. Peinlich, sag ich nur!

Aber auch die Großen machen nicht immer alles richtig. Hier stechen zwar aus weiterer Entfernung die richtigen Stichworte ins Auge, aber bei näherer Betrachtung wirkt das Plakat verwirrend, denn der Satz “Willkommen bei der Nr. 1 bei Sonderangeboten und Werbung!” lässt sich aufgrund der seltsamen Aufteilung nur schwer lesen. Auch der Satz selbst ist irgendwie unsinnig! Die Mini-Sätze darunter scheinen nur aus rechtlichen Gründen dort zu stehen, denn lesen kann sie niemand und sollte es vermutlich auch niemand, denn sonst hätte man sie lesbar gemacht.

Wir kommen nun zu den etwas schwierigeren Fällen. Auf dem ersten Blick sieht dieses Plakat sehr professionell aus. Es handelt sich hierbei um Werbung für einen Telekommunikationsanbieter, der das sogenannte Triple-Play, also Fernsehen, Internet und Telefon bewirbt. Leider kommt diese Information bei mir erst nach zu langer Betrachtungsdauer an. Die Aussage von Plakaten müssen aber schon nach wenigen Augenblicken sitzen, denn sie werden meist von vorbeifahrenden Autofahrern oder Fußgängern konsumiert, die dem Plakat nur selten mehr Beachtung schenken. Demzufolge ist auch der Satz “Er zeigt mir…” viel zu lang. Die wenigsten würden ihn lesen, zumal er dafür auch noch viel zu klein ist und über die Aussage nachgedacht werden muss. Da wird dem Betrachter einfach zuviel auf einmal zugemutet. Wenn überhaupt, dann sollten Bilder zum nachdenken anregen, denn diese können sogar mit einer Betrachtungsdauer eines Sekundenbruchteiles für längere Zeit im Gedächtnis bleiben.
Wir sehen, dass also auch größere Kunden mit größeren Budgets oft nur mäßig gut ihre Produkte über Plakate bewerben. Ein extremeres Beispiel ist das Folgende.

Es kann in diesem Falle nicht angenommen werden, dass der kleine Text warhaftig von dem Konsumenten gelesen werden soll. Für mich gilt jedoch immer: Was nicht lesbar ist, kann genauso gut weg. In dem Fall wäre dies wohl besser gewesen, denn damit wird nicht nur Platz verschwendet, den man auch wunderbar mit bildlichen Aussagen hätte füllen können, sondern er verwirrt auch den Konsumenten.
Fazit
Auch einige größere Firmen scheinen sich nicht wirklich darum zu kümmern, wie deren Plakate beim Konsumenten ankommt. Die simpelsten Regeln werden nicht eingehalten und es wird nicht aus der Sicht des Konsumenten gedacht. Ein Mangel, der mit der richtigen Agentur in der nächsten Kampagne korrigiert werden kann.
Doch es gibt auch schöne, funktionierende Beispiele für gute Plakate, wie ich in einem meiner nächsten Beitrag beweisen werde.
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Exakt!
Wie oft fährt man an Plakaten vorbei und denkt sich “Bäääh!” oder aber man vergisst die viel zu lange und viel zu kleine Internetadresse auf dem Weg nach Hause…
Was du da allerdings ausgegraben hast ist zum Teil noch nicht mal das Schlimmste….
Hier in meiner Hometown haben wir Schwarz-AW (~10% MA bundesweit), die Damen und Herren dort haben zumindest erkannt, vor welchen Problemen Ihre Kunden so stehen und einen Leitfaden herausgebracht: http://www.schwarz-aw.de/schwarz-aw.de/download/Plakatgestaltung.zip
Ich bin aber jetzt mal auf deine Positivbeispiele gespannt :D
Das ist ja mal ne lustige Anleitung. Das klingt fast so, als wäre es in der Tat häufig der Fall, dass Plakate eben nicht von Agenturen, sondern von Leihen kommen. Schon übel irgendwie. Als nächstes kriegen wir dann wohl selbst gemachte Werbung im TV, wo manche Regionalwerbung in Kinos ja auch schon schauerliche Ergebnisse an den Tag bringen…